14. – 17.9.2026 ins Puschlav
Tag 1
Wenn man, wie wir, um 08:09 Uhr in Wallisellen mit dem Zug abfahren will, muss man sehr früh aufstehen. Diese Turnfahrt verspricht, ein ganz spezieller Anlass zu werden. Noch nie dauerte sie 4 Tage. Vollgepackt mit wandern, spazieren, Neues erkunden, Besichtigungen – wahrlich, da musste man einfach dabei sein. Organisiert von Martin Würgler und Ueli Gerber haben wir Gewähr, dass alles Erdenkliche berücksichtigt wird.
Der Taxidienst zum Bahnhof ist jedermanns eigene Sache: Privatauto, Bus, auf eigenen Füssen oder Autostop. Alle Angemeldeten sind pünktlich zur Stelle, ob in Wallisellen, im Zürcher HB oder noch später. Das Wetter ist zu dieser frühen Morgenstunde noch etwas verhalten, mit guten Chancen für Aufhellungen im Lauf des Morgens.
Die Fahrt mit der schnellen SBB bis Chur verläuft ohne Auffälligkeitren. Nun übernimmt die rote Farbe der Rhätischen Bahn das Szepter. Der Zug schlängelt sich durch unzählige Kurven, fährt über manches Viadukt, verschwindet immer wieder in einem neuen Tunnel und gewinnt unmerklich immer mehr an Höhe. Es ist eine wunderschöne Fahrt, auch weil uns mittlerweile das Blau des Himmels mit dem Rot des Zuges, dem Grau der schroffen Felswände und dem Grün der Landschaft ein tolles Farbenspiel schenkt. Spektakulär!
Was bei der SBB nicht mehr geht, geht bei der Rhätischen Bahn immer noch: Die Fenster lassen sich öffnen, so dass die Fotografen unter uns nicht auf schmutzige und spiegelnde Scheiben achten müssen. Viermal müssen wir umsteigen ( ZRH HB, Chur, Samedan, Pontresina), meist mit komfortablem Zeitkonto, ausser in Samedan, wo nur 2 Minuten geplant sind. Doch das schaffen wir. Das erste Ziel ist Morteratsch, wo wir innert 4 Stunden gemütlich ein Mittagessen geniessen können und eine Wanderung Richtung Morteratschgletscher und zurück wählen, jeder nach seinen körperlichen Fähigkeiten. Der Gletscher hat unglaublich viel Volumen und also auch Länge verloren seit den letzten 50 Jahren. Das macht uns sehr nachdenklich.
Die Fahrt anschliessend nach Poschiavo dauert noch 80 Minuten, dann ist das Tagesziel erreicht. Wir beziehen unsere Zimmer im Hotel Suisse und machen uns bereit fürs Abendessen, das wir im nahegelegenen Risturant Al Bernina nach einem wohlverdienten Apéro vertilgen. Die Akustik im Risturant hat noch Verbesserungspotential – es ist sehr laut, wenn nicht gerade alle am Essen sind. Den Zeitpunkt für die Nachthemdenverteilung wählt später jeder selbst.
Tag 2
Heute sind zwei Programme geplant, eines für «Wanderer» und eines für «Nichtwanderer». Die Nichtwanderer (4 Riegler, zu denen auch der Schreiberling gehört) steigen in Cavaglia aus, die Wanderer (4×4 Nasen) nach gut 20 Minuten im Bernina Hospiz. Dort starten sie eine gut 2 Stunden dauernde Wanderung um den Lago Bianco, mit wenig Steigung und eher viel Abwärts. Die Kürzertretenden machen eine Besichtigungstour der Gletschermühlen, die kurz nach dem Bahnhof beginnt.
Diese Besichtigung lohnt sich sehr. Was uns die Natur hier präsentiert, das sie innert vielen tausend Jahren mit viel Wasser und Sand geschliffen und gebohrt hat, ist bewundernswert. In eines der grossen, runden, recht tiefen Löcher kann man mittels einer Leiter hinabsteigen, was natürlich umgehend gemacht wird. Schön, dass von den beiden Organisatoren genügend Zeit eingeplant wurde, um nicht im Eilzugtempo die vielen gesicherten Wege gehen zu müssen.
Im Restaurant auf der Alp Grüm treffen sich beide Gruppen wieder zum gemeinsamen Mittagessen, mit bester Aussicht von der Terrasse aus.
Wenig vor 15 Uhr fährt der Zug ab Richtung Poschiavo, wo wir nach kurzer Zeit wieder bereit sind für eine geführte Besichtigung von Poschiavo durch Frau Ferrari (nein, sie hat nichts zu tun mit der Automarke). Das ist abwechslungsreich, unterhaltsam und auch sehr interessant.
Wir erfahren manches von der Überschwemmung im Jahr 1987, lernen verschiedene historische Gebäude kennen (z.B. die «Palazzi» am südlichen Dorfrand, die von der Emigrationsgeschichte erzählen). Wir werfen einen Blick in die der Front vorgebauten Loggia, die als Beinhaus dient (hinter Gittern liegen Dutzende Schädel, die unter dem Fussboden der gegenüberliegenden Stiftkirche San Vittore gefunden wurden) und schauen uns das wohl älteste Haus (Kernbau im Jahr 1357), die Casa Tomé von aussen an.
Die Crew vom Risturant erwartet uns schon mit einem weiteren Abendessen. Der vorgesehene Wein gibt allerdings zu reden, und es dauert eine Weile, bis dieses Thema abgeschlossen werden kann.
Die letzten zwei von uns (inklusive des Schreibers) haben Glück, dass die Hoteltüre noch nicht geschlossen ist, denn beide haben den Zimmerschlüssel vergessen mitzunehmen. Ein weiterer erlebnisreicher Tag ist zu Ende.
Jürg Deller
Tag 3
Nach dem Morgenessen und bei weiterhin sonnigem Wetter spazierten 17 aufgestellte Männerriegler zum Bahnhof Poschiavo. Dort warteten 16 auf die RhB in Richtung Tirano, Markus hingegen verabschiedete sich und fuhr mit dem Postauto ins Engadin und von dort zurück nach Winterthur. Nach etwa 40 Minuten in dieser wunderschönen Natur, übrigens UNESCO-Welterbe, erreichten wir unser Ziel in Italien. Dabei war natürlich das eingleisige, schleifenörmige Eisenbahn-Viadukt am südlichen Dorfrand von Brusio das Highlight auf dieser Strecke. Die Länge wird mit 142,8 m und die Breite mit 4,88 m angegeben.
In Tirano (441 m ü.M.) trennte sich die 16-köpfige Gruppe und erkundete in kleineren Teams die Stadt. Dabei entdeckten wir diverse antike Gebäude, enge Gassen und natürlich einige Türme mit entsprechender Kunst am Bau. Da wir alles in allem 3 Stunden Zeit zur Verfügung hatten, genossen wir am Schluss eine leckere Gelato-Komposition im Restaurant Merizzi.
Um 13.41 Uhr fuhren wir dann zurück nach Le Prese am Lago di Poschiavo. Ab 14.15 Uhr war dann Wandern angesagt. Genauer gesagt, wir wanderten auf der östlichen Seite des Sees nach Miralago. Dabei wurden wir von etwas Wind und Wolken am Himmel begleitet. Nach gut einer Stunde erreichten wir unser Ziel, das Grotto Miralago, wo ein Apéro mit lokalen Köstlichkeiten auf uns wartete.
Nach etwa 2 Stunden Gemütlichkeit ging’s dann mit der Bahn zurück nach Poschiavo. Etwas relaxen, sich duschen, und schon bald war wieder Nachtessen im Al Bernina angesagt. Dieses Lokal befindet sich nur wenige Meter von unserem Hotel Suisse entfernt. Auch an diesem Abend hat es gepasst.
Tag 4
An unserem 4. und letzten Tag ging’s nochmals in Richtung Süden, genauer gesagt nach Brusio, wo wir 2 Museen besuchten. Wie am Vortag reisten wir nochmals mit dem 09.42 Uhr Zug, diesmal aber mit unserem Gepäck, welches wir am Bahnhof deponierten. Nach 20 Minuten Fahrt und 10 Minuten Fussmarsch erreichten wir das Museum Casa Besta.
Dieses ethnografische Museum erzählt die Geschichte des Dorfes, welches nach Tabak und Kaffee riecht und vom Wein geprägt ist. Hier findet man auch Ausstellungen über Schmuggel, Tabakanbau und Weinbau. Ferner erhält der Besucher einen Einblick in das lokale Handwerk und begegnet einer interessanten Sammlung antiker Musikinstrumente.
Dieses herrschaftliche Gebäude war einmal Wohnsitz einflussreicher protestantischer Familien aus dem Veltlin, war einige Jahrzehnte das Gemeindehaus und ist seit dem Jahre 2000 Sitz des ethnografischen Museums.
Nur wenige Meter entfernt ist das Tabakmuseum, das Museo del Tabacco.
Herr Pietro Misani zeigte uns das letzte Zeugnis des Tabakanbaus und die Verarbeitung des Ertrages im Tal. Das noch im ursprünglichen Zustand erhaltene Gebäude wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Seit 2003 hatte Herr Misani die Idee, hier einmal ein Museum einzurichten, da 1999 hier das letzte Mal Tabak verarbeitet wurde. Seit einigen Monaten ist es im heutigen, perfekten Zustand. Gut, es hat auch Fr. 550,000.- verschlungen.
Nach diesen interessanten Impressionen war nun der Aufstieg zum Bahnhof angesagt. Um 13.15 Uhr begann unsere Rückreise mit einem Stopp in Poschiavo, wo unser Gepäck auf einem Wagen deponiert war. Kurzer Einsatz und alles war
im Zug. Weiter fuhren wir dann via Pontresina, Samedan, Chur und Zürich und erreichten Wallisellen um 18.51 Uhr.
Einmal mehr eine interessante und perfekt organisierte Reise der Männerriege. Unser aller Dank geht an die beiden Organisatoren, Ueli Gerber und Martin Würgler.
Renato Wyss






































